Chirurgische Behandlungen

Für Personen, bei denen andere Therapien keine bedeutenden Erfolge erzielt haben, gibt es operative Eingriffe, die bei Inkontinenz helfen können.

Zielpersonen

Umfang

Es ist wichtig, sich eventueller Risiken von Inkontinenz-Operationen bewusst zu sein und alle Optionen gründlich mit einem Arzt zu besprechen. Zu den Risiken können Folgende gehören:

Bandoperationen sind vor allem bei Frauen ein üblicher Eingriff, um Belastungsinkontinenz zu behandeln. Dabei wird ein Band unter die Harnröhre platziert, um diese zu stützen und Harnträufeln vorzubeugen. Das Band kann aus unterschiedlichem Material sein und auf verschiedene Arten am Körper befestigt werden. Der Eingriff erfolgt normalerweise in einem Krankenhaus oder Ambulatorium und erfordert keine Allgemeinanästhesie. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb von wenigen Wochen von dem Eingriff.

Bandoperationen können auch für männliche Inkontinenz eine Option darstellen, aber dies ist eine neuere Therapieform und die Studien sind noch nicht abgeschlossen, um bei einer großen Patientengruppe die Effektivität nachzuweisen.

In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie diese Therapieoption mit einem Arzt besprechen. Es gibt nämlich verschiedene Meinungen über Bandoperationen. Einige argumentieren, dass sie nicht allzu effektiv sind und unerwünschte Nebenwirkungen haben können. Bis heute gibt es keinen Konsens in dieser Debatte.

Blasenhalssuspension ist ein weiterer Eingriff, der häufig zur Behandlung von Belastungsinkontinenz vorgenommen wird. Es gibt verschiedene Arten, diesen Eingriff zu realisieren, einige sind weniger invasiv als andere. Die Idee ist, die Blase anzuheben und so zu verhindern, dass sie sich absenkt, was bei vielen Patienten zu einer langfristigen Linderung führen kann. Während der Besprechung mit dem Chirurg wird er Sie darüber informieren, ob der Eingriff laparoskopisch (mit kleineren Narben) oder als „retropubische Suspension“, „Burch-Operation“ oder „Kolposuspension“ vorgenommen wird.

Transurethrale Resektion der Prostata ist eine Operation für Personen mit benigner Prostatahyperplasie (BPH), bei der ein kleiner Teil der Prostata entfernt wird. Patienten mit BPH leiden oft unter Inkontinenz, insbesondere unter Dranginkontinenz, und dieser Eingriff kann ihnen helfen. Man geht davon aus, dass die Operation mehr Vor- als Nachteile bringt, aber Sie sollten sich vorher in jedem Fall ausführlich mit Ihrem Arzt beraten.

Künstlicher Blasensphinkter ist eine Therapie für Männer mit Prostatakrebs, die sich einer radikalen Prostatektomie unterziehen mussten. Dieser Eingriff führt oft zu Inkontinenz führen, da der Harnschließmuskel verletzt werden kann. Um dies zu behandeln, wird unter der Harnröhre ein künstlicher Blasensphinkter (ein mit Flüssigkeit gefüllter Ring) eingesetzt. Unter der Haut wird ebenfalls ein Ventil eingesetzt, das Sie drücken, wenn Sie auf die Toilette müssen: dadurch wird der Ring entleert, sodass Sie urinieren können.

Anpassbare Kontinenztherapie für Männer ist eine weitere Therapie für Männer mit Prostatakrebs, die sich einer radikalen Prostatektomie unterziehen mussten. Sie hilft bei Belastungsinkontinenz, indem unter dem Blasenhals ein ballonförmiges Implantat eingesetzt wird, um ihn anzuheben. Dieser Eingriff ist weniger invasiv als andere Operationen und der aufpumpbare Ballon kann anhand eines unter der Haut implantierten Geräts kontrolliert werden. Diese Eingriffe haben eine hohe Erfolgsquote.

Sphinkteroplastie ist eine Operation, um einen beschädigten Schließmuskel zu reparieren. Der beschädigte Teil wird entfernt und der Muskel wird anschließend wieder zusammengenäht. Um den Bereich zu stärken, wird manchmal ein Stück Muskel vom Oberschenkel entfernt und rund um den Schließmuskel eingesetzt. Wenn nötig, wird ein aufpumpbarer Ring (d. h. ein künstlicher Analschließmuskel) eingesetzt, der anhand einer Pumpe entleert wird, wenn Sie Ihren Darm entleeren müssen. Diese Pumpe wird bei Frauen unter die Haut der großen Schamlippen und bei Männern unter die Haut des Skrotums eingesetzt.

Rektumprolaps-Chirurgie wird vorgenommen, um ein abgesenktes Rektum anzuheben. Der Chirurg näht anschließend das Rektum in die korrekte Position und repariert, wenn nötig, beschädigte Muskeln, die das Problem verursacht haben.

Hämorrhoidektomie ist eine Operation, um Hämorrhoiden zu entfernen, wegen denen der Analschließmuskel sich nicht korrekt schließen kann. Der Chirurg wird Laser, Elektrizität (Elektrodenstift) oder ein chirurgisches Messer (Skalpell) verwenden.

Kolostomie ist eine Operation für schwere Formen der Inkontinenz, wenn andere Therapien keinen Erfolg gebracht haben. Es ist eine ernsthafte und drastische Option, die erst nach einer gründlichen Beratung vorgenommen werden solle. Der Chirurg wird dabei das Rektum schließen und den Stuhl in einen externen Kolostomiebeutel umleiten.

Wie kann ich mehr erfahren?

Die meisten Operationen finden in einem Krankenhaus oder Ambulatorium statt. Je nach dem Gesundheitssystems Ihres Landes werden Sie eine Besprechung mit einem Chirurgen haben, der Ihnen die beste Option empfehlen kann.

Stellen Sie sicher, nach möglichen Nebenwirkungen des Eingriffs zu fragen, damit Sie sich für die beste Option entscheiden können. Für Frauen ist es besonders wichtig, ihren Arzt zu fragen, wenn sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, da die Verbesserungen nach einigen Operationen bei der Entbindung „zunichte“ gemacht werden.

Quellenangaben

European Guidelines on Urinary Incontinence [Internet]. 2018 [zitiert 18. August 2020]. Verfügbar auf:https://wfip.org/european-guidelines-on-urinary-incontinence/.

Bladder Control Problems (Urinary Incontinence) [Internet]. 2018 [zitiert 18. August 2020]. Verfügbar auf: https://www.niddk.nih.gov/health-information/urologic-diseases/bladder-control-problems/treatment.

Stress Incontinence in Women: Should I have surgery? [Internet]. 2020 [zitiert 16. Juni 2020]. Verfügbar auf: https://myhealth.alberta.ca/health/pages/conditions.aspx?Hwid=aa137467